Andreas Onea
Andreas Onea
Moderator, Para-Schwimmer, Olympiasieger

Paralympic und TV-Moderator Andreas Onea: Als der Zufall Regie führte

Sollten die Paralympics von Tokio (24. August bis 5. September) tatsächlich über die Bühne gehen, nimmt der Niederösterreicher Andreas Onea im Schwimmen neuerlich Edelmetall ins Visier.

Mit sechs Jahren verlor Andreas Onea bei einem verheerenden Unfall mit dem Familienauto seinen gesamten linken Arm. Heute zählt der bald 29-jährige Para-Schwimmer, der mittlerweile auch als ORF-Moderator Karriere gemacht hat, zu den Aushängeschildern des rot-weiß-roten Sports.

schau: Unlängst hast du auf Madeira deiner schon umfang­reichen Sammlung mit Bronze über 200 m Lagen eine weitere EM-Medaille hinzugefügt. Ein feines Comeback ins internationale Wettkampfgeschehen, oder?

Andreas Onea: Absolut! Es war schon allein großartig, nach mehr als einem Jahr Pandemie und Ungewissheit hinsichtlich der Dauer wieder zu einem Großereignis reisen und dort Leistung zeigen zu können. Dass sich dann auch noch gezeigt hat, dass meine Form und der Aufbau für Tokio stimmen, macht mich natürlich sehr glücklich!

Etwas Grundsätzliches: Warum überhaupt Schwimmen?

Für mich als Sechsjährigen ging es in der Reha nach unserem Unfall darum, meinen Körper einarmig und in einer möglichst hohen Lebensqualität kennenzulernen. Teil meiner Therapie am Weißen Hof bei Klosterneuburg war eben Schwimmen. Ich war damals noch Nichtschwimmer und habe es einarmig erlernt. Und gleich von Anfang an hat mich das Medium Wasser ­fasziniert und diese Möglichkeit, einfach in die Schwerelosigkeit abzutauchen, begeistert. Irgendwann stellte man dann fest, dass ich mich gar nicht so blöd anstelle und schickte mich zu ein paar Wettkämpfen. Mit zwölf war ich Staatsmeister und mit 16 habe ich mich „zufällig“ für die Paralympics in Peking qualifiziert.

Was heißt zufällig?

Na ja, irgendwann bin ich draufgekommen, dass ich mit meiner Bestzeit in der Nähe des Limits liege und hab es dann bei einem Wettkampf tatsächlich unterboten – ohne mich gezielt darauf vorzubereiten und ohne echtes Konzept. Da sind dann auch die Idee von einer Profikarriere und der Traum von einer Paralympics-Medaille aufgetaucht.

Blöde Frage noch zu den Schwimm-Basics: Besteht mit nur einem Arm nicht das physikalische Problem, sozusagen im Kreis zu schwimmen?

Grundsätzlich sind mir die biomechanischen Gesetzmäßigkeiten bekannt, aber ich hab’s eben einarmig gelernt und ich kenn’s dementsprechend nur so. Aber es geht eben darum, die Wasserlage zu halten und das ist natürlich – je nach Schwimmlage – einarmig schwieriger, aber mit viel Training und intensiven Ausgleichsübungen geht es. Dabei übernimmt der Arm halt nicht so viel Antriebsarbeit, sondern mehr Ausgleichsarbeit, und meine beiden Haxen sorgen hauptsächlich für den Antrieb und sind sozusagen meine Waffen.

Wird es 2021 die für 2020 geplanten Paralympics von Tokio überhaupt geben und wie stellst du dich als Athlet auf diese Unsicherheit ein?

Als Sportler muss ich meine Vorbereitung natürlich so gestalten, als ob die Spiele ganz fix über die Bühne gehen würden, und mein Konzept so anlegen, dass ich zum vorgesehenen Zeitpunkt voll da bin. Das habe ich auch im Vorjahr bis zur endgültigen Absage und in der Phase, als es noch keinen fixen Termin gab, so gehandhabt. Ändert sich was, muss man den Plan adaptieren.

Und als Mensch?

Da stelle ich mich darauf ein, Passagier zu sein. Ich kann einfach nicht beeinflussen, wie die japanische Regierung, das IOC und das Internationale Paralympische Komitee entscheiden. Und auch wenn eine Absage sportlich gesehen wahnsinnig bitter wäre, weil ich ja mittlerweile schon fünf Jahre auf dieses eine Ziel hin­arbeite, würde ich es menschlich absolut nachvollziehen können, wenn Japan sagt, wir haben durch die Pandemie eine derart schwierige Situation, dass wir noch einmal verschieben oder gar ganz absagen müssen.

Trotz allem, nehmen wir den Optimalfall an und die Paralympics können wie geplant steigen. Was hast du dort vor?

Ich werde 200 m Lagen, 100 m Schmetterling und 100 m Brust schwimmen. Zu sagen, was ich dort imstande bin zu leisten, dafür ist die Situation einfach zu unvorhersehbar. Ich möchte einfach mein bestmögliches Schwimmen schaffen und speziell über 200 m Lagen und 100 m Brust das beste Rennen meines Lebens liefern.

War das bisher beste Rennen deines Lebens demnach das Finale über 100 m Brust bei den Paralympics 2016 in Rio, bei dem du Bronze erobern konntest?

Ganz im Gegenteil! Das Rennen war grauenhaft und sicher eines der schlimmsten, das ich je fabriziert habe – auch weil der Druck nach „Blech“ vier Jahre zuvor in London enorm groß war. Zuletzt bei der EM war ich jedenfalls zwei Sekunden schneller als in Rio.

Also Klartext: In Tokio soll neuerlich eine Medaille her, oder?

Ich habe meine Paralympics-Medaille ja eben schon 2016 holen können und die nimmt mir keiner mehr weg. Aber eine weitere zu gewinnen, wäre natürlich ein absoluter Traum! Aber Druck muss ich mir jetzt ja keinen mehr machen. Man wird sehen, was letztlich rauskommt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Über Andreas Onea

  • Geboren am 9. Juli 1992 im niederösterreichischen Zwettl. Sportliche Erfolge: Paralympics-Bronze 2016; außerdem 4 x EM-Bronze, 1 x EM-Silber, 1 x WM-Silber, 2 x WM-Bronze
  • 2011 wurde Andreas bei einer Sportlerehrung von ORF-Sportchef Hans Peter Trost als Moderator für das damals geplante und 2012 gestartete -Behindertensportmagazin „Ohne Grenzen“ entdeckt. Mittlerweile kennt man ihn auch als Teil der Gastgeber-Crew und viel beschäftigten Vortragenden.
  • Zuletzt eroberte der schwimmtechnische Allrounder auf Madeira EM-Bronze über 200 m Lagen, bei den Paralympics 2016 ebenfalls Bronze über 100 m Brust.