Erich Scheiblhofer
Erich Scheiblhofer
im schau-Gespräch

Der Highlander aus Andau: Erich Scheiblhofers Erfolgsrezept zwischen Tradition und Innovation

Es kann nur einen geben – und im bekannten Andauer Weingut ist es Erich Scheiblhofer, der seit 1999 die Strippen zieht. Uns hat der sympathische Unternehmer erzählt, was hinter seinen Erfolgen steckt und warum es für ihn wichtig ist, mehr als nur ausgezeichnete Weine zu machen.

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„Big John“, „The Legends“, „The Shiraz“, „Great Bustard“: Namen wie diese verbinden Weinliebhaber sofort mit den Scheiblhofers in Andau. Was sich der Familienbetrieb in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, geht allerdings weit über erfolgreiches Winemaking hinaus. Schritt für Schritt hat Erich Scheibelhofer eine moderne Genuss- und Erlebniswelt rund um seine mehrfach aus­gezeichneten Tropfen geschaffen – von Verkostungsräumen und der modernen Eventlocation „Hall of Legends“ bis hin zum Pop-up-­Heurigen „The Quarter“. Die große Vision des Unternehmers: Die pannonische Tiefebene zum Piemont Österreichs aufzuwerten. Welche Pläne er dafür verfolgt, hat er im schau-Gespräch verraten.

schau: Herr Scheiblhofer, für Ihre Rotweine sind Sie national wie international bekannt. Wie ist Ihnen dieser Aufstieg gelungen?

Erich Scheiblhofer: Die Stichwörter lauten Mut und Konsequenz. Ich bin 1999 aus Amerika zurückgekommen und habe gemeinsam mit meinem Vater und meinem Bruder „Big John“ kuvertiert. Der Name war eher ungewöhnlich, fast verrückt für die damalige Szene. Heute ist „Big John“ nicht mehr wegzudenken und ich glaube, wir haben damit einen neuen Weinstil geschaffen.

Ein wichtiger Aspekt unseres Erfolgs ist aber natürlich auch konsequente Qualität, und das Jahr für Jahr. ­Davon kann man sich persönlich überzeugen: Wir lieben Menschen, geben gerne bei Führungen Einblick in unser Weingut und zeigen, was wir machen.

Von den rund 1,5 Millionen Flaschen, die Sie jährlich abfüllen, sind mehr als zwei Drittel Rotweine. Was macht einen guten Roten aus?

Seine Samtigkeit und Bekömmlichkeit! Wir sind hier in einer sehr warmen Gegend zu Hause, die Trauben werden vollreif und die Weine haben weniger Säure. Wichtig ist für mich auch eine präzise Fruchtnote, bei den Sorten bin ich nämlich ein Hardliner: Muskateller soll nach Muskat riechen und ein Cabernet Sauvignon nach Cassis. Da bin ich kompromisslos. Und Weinmachen ist bei uns immer noch Chefsache.

Apropos Chefsache: Wie sieht denn die Aufgabenverteilung im Familienbetrieb aus?

Mittlerweile ist die Firmenstruktur auf 86 Mitarbeiter angewachsen. Es gibt klare Hierarchien und der Betrieb wird nach dem Highlander-Prinzip geführt: Es kann nur einen geben, der verantwortlich ist, und das bin ich. Trotzdem werden die Mitarbeiter bei allen Entscheidungen miteingebunden. Ich habe das Glück, ein tolles Führungsteam zu haben. Wenn wir gemeinsam stehen, dann marschieren wir.

Diese Strategie dürfte aufgehen: Nicht nur Ihr Wein ist mehrfach prämiert worden, Sie haben unter anderem auch Auszeichnungen wie „Weingut des Jahres“ oder „Bester Familienbetrieb“ erhalten. Erfüllt Sie so etwas mit Stolz?

Gerade Auszeichnungen wie diese zeigen, wie unser Weingut aufgestellt ist. Zum einen die Kontinuität in der qualitativen Ausfertigung der Weine, zum anderen – und das freut mich ganz besonders – der respektvolle Umgang mit den Mitarbeitern. Wir haben noch keinen Mitarbeiter verloren und der großartige Teamspirit ist der Grund, der mich jeden Tag gut gelaunt um fünf Uhr auf­stehen lässt.

Also konnten auch in der Pandemie alle Mitarbeiter gehalten werden?

2020 war für mich persönlich das schlimmste Jahr meines Lebens. Mein oberstes Ziel war es, meine Mitarbeiter zu behalten. Und das haben wir geschafft. Niemand wurde ent­lassen. Man weiß ja, dass Kurzarbeitsprogramme nicht für diese lange Zeit ausgelegt sind. Das hat das Unternehmen viel gekostet – aber der Mensch steht immer im Vordergrund.

Auch Modernität, Innovation und Nachhaltigkeit sind Ihnen ein großes Anliegen. Wie gelingt es, diese drei Bereiche miteinander zu verbinden?

Diese Kombination ist einfacher als man glaubt – wenn man den Mut hat, nach vorne zu gehen und zu ­investieren. Viele behaupten ja, mein Vater war eher Baumeister als Weinbauer, weil auch er schon sehr viele Projekte verwirklicht hat. Und manche sagen, der Sohn ist noch schlimmer, der ist fast schon Architekt (lacht). Wir bauen viel, wobei uns die Symbiose von Modernität und Nachhaltigkeit besonders wichtig ist. Wir setzen auf Wärmepumpen statt auf fossile Brennstoffe, verzichten auf prophylaktische Spritzungen und Glyphosat. Mit unserer Photovoltaik-­Anlage produzieren wir inzwischen 680 Kilowatt, in wenigen Monaten werden wir das Megawatt erreichen. Nachhaltigkeit hat aber nicht nur mit Technik, sondern auch mit Menschen zu tun: Zwei Jahren in Folge haben wir es geschafft, die Überstunden der Mitarbeiter jeweils zu halbieren. Wer das Wochenende entspannt mit der Familie genießen kann, ist am Montag wieder mit voller Kraft da.

Ihr derzeit größtes Projekt ist das Wein-Wellness-Hotel „The Resort“. Wie weit ist der Baufortschritt?

Wegen der Lockdowns sind wir ­leider nicht mehr im Zeitplan. Die Baustelle war für einige Wochen ­geschlossen, Zulieferprobleme kommen hinzu. Das trifft uns alles, aber der Vorteil ist, dass wir ein privates Unternehmen sind. Das bedeutet, dass wir uns den Bestbieter aus­suchen können und nicht den Billigstbieter nehmen müssen. Trotz Verzögerungen herrscht bei den Baubesprechungen gemeinschaft­liche Stimmung, die Zusammen­arbeit ist gut.

Mit der Eröffnung im September 2021 ist also nicht mehr zu rechnen?

Nein, diesen Termin können wir leider nicht halten. ­Wegen Rohstoffmangel ist es  schwierig, hier Prognosen zu treffen, ich rechne derzeit aber eher mit November 2021.

Was macht das neue Hotel aus?

Wir wollen etwas schaffen, das noch nicht da war: einen Hybrid, der sowohl die Ansprüche von Familien als auch von Geschäftsleuten auf höchstem Niveau erfüllt. Der Kinderpool wird zum Beispiel so groß sein wie das Hauptbecken in anderen Resorts, dem gegenüber steht ein riesiger Silent Pool. Räumlich spielt sich das Ganze auf neun Hektar Fläche inmitten der burgenländischen Tiefebene ab, es gibt also genug Platz für alle Bedürfnisse. Auch die Zimmer sind sehr großzügig gestaltet. Und was unser Hauptvorteil ist: Das Resort ist immer in Kombination mit der Scheiblhofer-Welt zu sehen, in der unter anderem auch die 1.200 Quadratmeter große „Hall of Legends“ für Events bereitsteht.

Wird die Marke Scheiblhofer im Hotel spürbar sein?

Das Hotel wird so geführt, wie ich es selbst von einem Resort erwarten würde. Die Qualität zählt – nicht nur bei der Hardware von Architektur bis Einrichtung, sondern vor allem auch bei der Software, dem Service. Das beginnt schon beim Eintreffen der Gäste, wenn das Auto während des Check-ins von einem Mitarbeiter im sonnengeschützten Parkdeck abgestellt wird.

Auch der Promifaktor dürfte gegeben sein: Wie wir erfahren haben, könnte sich Ihre Zusammenarbeit mit Snowboard-Ass Julia Dujmovits auch auf „The Resort“ ausweiten?

Ich kenne Julia schon seit Jahren von öffentlichen Auftritten sowie aus dem Österreich-Haus von Olympia. Sie ist ein herzlicher, grundbescheidener Mensch und auch zu ihrem Bruder Georg, der selbst Winzer ist, haben wir eine Freundschaft ent­wickelt. Ich bin der Meinung, dass gute Leute zusammen Großartiges erreichen können. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, Julia bei ihrem sport­lichen Comeback zu unterstützen. Es ist der logische nächste Schritt, dass wir unsere Kooperation mit ­Julias Erfahrungen als Yogalehrerin und Mentaltrainerin im Hotel fortführen – zum Beispiel in Form von Workshops.

Bevor es so weit ist, eröffnen Sie aber noch andere Unterkünfte für die kleinere Brieftasche.

Genau. Im Sommer, wahrscheinlich Juli, eröffnen wir „The Hangover“, ein weiteres Gästehaus zu unseren bestehenden sieben Zimmern.

Wieso der Name „The Hangover“?

Zum Thema Hangover hat wohl ­jeder seine eigene Geschichte (lacht). Für mich ist damit die gute Zeit ­davor gemeint: Wir bieten im neuen Gästehaus B&B in bester Qualität – unlimited Frizzante beim Frühstück inklusive – schön eingerichtete ­Zimmer und tolle Erlebnisse in Kombination mit unserem Pop-up-Heurigen „The Quarter“ und dem Weingut.

In einer Pandemie ein Hotel bauen: Das würde sich sicher nicht jeder trauen. Was erwarten Sie sich für die touristische Zukunft des Burgenlandes?

Der vergangene Sommer hat gezeigt, dass das Burgenland kurz-, mittel- und langfristig vom Tourismus ­profitieren wird. Trotz Lockdowns hatten wir eine höhere Zimmerauslastung als 2019. Ich sehe ­großes Potenzial durch die Kombination mit dem Weingut und den Weiten einer einzigartigen Landschaft, um eine Erlebnis- und Genussregion zu etablieren. Andere Gebiete wie das italienische Piemont sind auf diese Weise berühmt geworden.

Zweifel gibt es also keine?

Ich bin immer mit Herz und großem Enthusiasmus bei der Sache. Damals, als wir die Idee für die „Hall of Legends“ hatten, war der Riskmanager bei der Bank alles andere als überzeugt: „Ein Eventzentrum mitten in der Pampa? Leisten kannst du es dir, gescheit ist es aber nicht!“ Es mag verrückt geklungen haben, aber es hat funktioniert. Denn heute ist das „Wie“ am wichtigsten, nicht mehr das „Wo“.

Vielen Dank für das Gespräch.