Die Bildungslandesrätin
Die Bildungslandesrätin
im schau-Gespräch

Daniela Winkler: Trotz Gegenwind auf Kurs

Wie herausfordernd das Jahr für Eltern und Kinder war, weiß Daniela Winkler nur zu gut. Im Interview mit schau ins Burgenland spricht die zweifache Mutter und Landesrätin über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Kinderbetreuung in Zeiten von Corona sowie digitale Innovationen, die den Alltag erleichtern.

schau: Frau Landesrätin, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist einer Ihrer Arbeitsschwerpunkte. Auf welche Maßnahmen setzen Sie, um die Doppelbelastung im Alltag weiter zu minimieren?

Daniela Winkler: Ich habe bereits bei meinem Amtsantritt Anfang 2019 klar und deutlich kommuniziert, welchen Stellenwert für mich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat. Mit der Umsetzung des Gratiskindergartens erfahren die Familien im Burgenland eine wichtige Unterstützung. Zugleich wurde im Kinderbildungs- und Kinderbetreuungsgesetz festgelegt, dass die Betreuungszeiten und die Ferien an den Bedarf der Erziehenden anzupassen sind. So können sie entscheiden, neben ihrer Rolle als Mutter oder Vater einen Beruf auszuüben. Damit haben wir für die Familien einen gesellschaftspolitisch bedeutenden Meilenstein gesetzt.

Wie meistern Sie selbst als zweifache Mutter den Spagat zwischen Berufsleben und Familie?

Daniela Winkler: Ich bin natürlich in meinem Job sehr gefordert. Da ist gutes Familienmanagement wichtig. Wir sind in der glücklichen Lage, dass mein Mann zum Teil über eine flexible Arbeitszeiteinteilung verfügt. Daher kann er einen Teil der Kinderbetreuung übernehmen. Eine große Unterstützung sind uns auch meine ­Eltern. Sie und unsere Kinder genießen es, gemeinsam Zeit zu verbringen. Damit für die Familie Quality Time bleibt, leisten wir uns auch für die Arbeit im Haushalt professionelle Unterstützung. Schulschließungen, Pflegeurlaub, Sonderbetreuungszeit: Für die meisten Eltern bedeutet die Corona-Krise eine enorme zusätzliche Herausforderung.

Wie soll es im kommenden Jahr weitergehen?

Daniela Winkler: Viele Familien sind in Zeiten der Corona-Krise sehr stark gefordert. Ich hoffe natürlich wie alle Menschen auch, dass sich unser Leben wieder zunehmend normalisiert. Aufgrund der Entwicklung ist jedoch davon auszugehen, dass wir den ­Alltag noch einige Monate unter schwierigen Bedingungen bewältigen müssen. Wenn Urlaube, Zeitguthaben und Sonderbetreuungszeiten aufgebraucht sind, so plädiere ich unabhängig davon dafür, dass die Eltern bei einer Quarantäne beruflich freigestellt werden.

Bei aller Sorge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ist für Kinder wichtig, weiterhin soziale Kontakte pflegen zu können. Wie bekommen die burgenländischen Bildungs­einrichtungen Sicherheit und Beisammensein unter einen Hut?

Daniela Winkler: Um für ein erhöhtes Maß an Sicherheit zu sorgen, haben wir für die burgenländischen Einrichtungen einen Hygieneleitfaden mit Empfehlungen erstellt. Darin sind konkrete Maßnahmen enthalten, die bei Auftreten der verschiedenen Szenarien empfohlen werden. Wie Studien von renommierten Instituten bestätigen, zählen Kinder in Kindergärten und Schulen nicht primär zu ­jener Gruppe, die an COVID-19 erkrankt oder das Virus stark verbreitet. Deshalb kann ich auch nichts Positives an der Entscheidung erkennen, Bildungseinrichtungen komplett zu schließen. Eltern sind keine Pädagogen, Homeschooling und Homeoffice sind meiner Meinung nach nicht vereinbar. Distance Learning per Computer kann den Regelunterricht nicht ersetzen.

Dennoch bringen ­digitale Tools viele Vorteile. Wie sind Burgenlands Kindergärten und Schulen diesbezüglich ­aufgestellt?

Daniela Winkler: Die Digitalisierung ist einer der Schwerpunkte im Bildungsbereich, die wir im Zukunftsplan Burgenland schon vor Corona definiert haben. Ich empfinde es als enorm wichtig, mit der elektronischen und digitalen Entwicklung Schritt zu halten. Das ist ein laufender Prozess, den wir im Bildungsbereich implementieren wollen. Aufgrund umfangreicher Investitionen in den vergangenen Jahren verfügen wir im Burgenland über eine gute Infrastruktur. Das ist uns zu Beginn des ersten Lockdowns zugutegekommen. Die technische Umstellung auf Distance Learning ist für nahezu alle Schulen rasch erfolgt. ­

Ungeachtet dessen haben wir auf diesem Gebiet innovative Projekte, durch die Kinder und Jugendliche altersgerecht auf die Vielfalt der ­digitalen Möglichkeiten in den verschiedensten Lebensbereichen vorbereitet werden. Mit „skooly“ haben wir zum Beispiel eine hervorragende Lehr- und Lernplattform für die Volksschulen. Sie bietet nicht nur die Möglichkeit einer raschen und direkten Kommunikation, sondern beinhaltet auch altersgerechte E-Books und pädagogisch wertvolle Aufgaben. Um das Erlernen der Handschrift zu erleichtern und zu beschleunigen, kommt in den burgenländischen Schulen der digitale „EduPen“ in Verbindung mit Tablets zum Einsatz. Bei meinen Schulbesuchen bin ich außerdem immer wieder davon beeindruckt, wie Kinder im Unterricht Coding und Robotic anwenden.

Kürzlich haben Sie auch die neue „Kiga-App“ präsentiert.

Daniela Winkler: Ja, diese App ist angelehnt an das Original „skooly“, das sich in der Volksschule sehr bewährt hat. Im Kindergartenbereich wird damit die Kommunikation zwischen den Eltern und den Pädagogen besser, einfacher und rascher erfolgen können. Die Eltern oder Erziehenden können die Abwesenheit der Kinder per Handy bekannt geben oder entschuldigen, Essen bestellen, Anmeldungen für Zusatzangebote oder Ausflüge vornehmen oder einfach ihre Anliegen vorbringen. Umgekehrt können die Pädagogen, aber auch die Behörde, die Eltern direkt erreichen und wichtige Informationen ohne Zeitverlust und unnötige Wege verschicken. Das ist besonders in Zeiten wie der Corona-Krise ein riesiger Vorteil. Wenn wir im Anlassfall rasch reagieren können, ist das ein wichtiger Beitrag für Sicherheit und Gesundheit.

Von der Technik zur Natur: Auch der Umweltschutz spielt in den burgenländischen Bildungseinrichtungen eine große Rolle.

Daniela Winkler: Wie wird Kindern schon im frühen Alter der Umweltschutz­gedanke vermittelt? Wir haben einige Projekte gestartet, die den Kindern Umwelt- und Naturschutz näherbringen und sie dahingehend sensibilisieren. Ich stelle bei meinen eigenen Kindern immer wieder fest, wie sehr sich dieser Aspekt in ihrem Verhalten gefestigt hat, nachhaltig und schonend mit der Umwelt und ihren Ressourcen umzugehen. Mittlerweile haben wir im Burgenland 30 Naturparkschulen und Kindergärten. Dort bildet die Natur mit all ihren Facetten im Unterricht in den verschiedenen Fächern einen Schwerpunkt.

Was wünschen Sie sich für das kommende Jahr im Bildungs­bereich, was für Familien?

Daniela Winkler: In erster Linie wünsche ich allen Familien und mir, dass wir Corona gut und gesund überstehen und unser Alltag nicht mehr von den COVID-Maßnahmen bestimmt wird. Dann können wir uns im Bildungsbereich wieder auf die originären Aufgaben konzentrieren und unsere Schwerpunkte wie Digitalisierung, Natur- und Umweltschutz sowie mehr Bewegung und gesunde Ernährung konzentrieren.

Vielen Dank für das Gespräch.