Arabella Kiesbauer
Arabella Kiesbauer
mit ORF-Comeback

Arabella Kiesbauer ist mit Starmania zurück

Hoher Kultfaktor: Starmoderatorin Arabella Kiesbauer ist mit „Starmania 21“ auf die ORF-Castingshow-Bühne zurückgekehrt. Im schau-Interview blickt sie zurück auf die Geburtsstunde des Erfolgsformats Anfang der Nullerjahre, spricht über das eigene Gesangstalent und erinnert sich an den Karrierestart von Christina Stürmer und Conchita.

Erinnern sie sich noch? Bereits rund 20 Jahre ist es her, als „Starmania“, die Mutter unter den heimischen Castingshows, ein gewaltiges Stück TV-Geschichte schrieb. Ende Februar ist es wieder so weit, Nostalgie und Kultfaktor werden am Küniglberg großgeschrieben: Bei „Starmania 21“ rittern ab 26. 2. immer freitags um 20.15 Uhr neue Jungtalente um einen Plattenvertrag und beweisen in insgesamt zehn Ausgaben (vier Casting- sowie sechs ­Final-Live-Sendungen), dass auch – und vor allem – in Krisenzeiten viel gesungen, performt und vor allem unterhalten werden darf.

Am Casting im Herbst 2020 nahmen rund 1.700 Aspiranten teil – unter strengen COVID-19-Sicherheitsvorkehrungen, versteht sich. Sie alle wollen Österreichs Popstar des Jahres werden – in die Liveshows schaffen es allerdings nur 32 der Kandidatinnen und Kandidaten. Die Comeback-Staffel wird erneut Kultmoderatorin Arabella Kiesbauer moderieren, die bereits seit der „Starmania“-Geburtsstunde das Gesicht der Sendung ist (insgesamt wurden vier Staffeln produziert). „Starmania 21“ ist das erste Format, das Kiesbauer seit dem Eurovision Song Contest 2015 für den ORF moderiert.

Ist die Anspannung beziehungsweise Nervosität vor einer Comeback-Staffel oder vor einer Premieren-Staffel größer?

Arabella Kiesbauer: Die Anspannung ist sicherlich größer vor einer Premiere, weil man ja noch gar nicht weiß, ob die Überlegungen und Ideen der Fernsehmacher grundsätzlich auch bei den Zusehern gut ankommen. Klar, bei „Starmania“ haben wir diesmal schon einen gewissen Vertrauensvor­schuss, da viele die Show schon kennen. Das ist natürlich von Vorteil. Man darf aber nicht vergessen: Die junge Generation kennt „Starmania“ noch nicht – und auch diese gilt es, im Sturm zu erobern!

Sind klassische Castingshows überhaupt noch zeitgemäß?

Arabella Kiesbauer: Das Fernsehen wird nach wie vor von einigen bestimmten Genres bestimmt: Quizshows, Talkshows und Castingshows. All diese Shows gibt es seit eh und je, sie passen sich aber der Zeit an und erfinden sich immer wieder neu. Das gilt jedoch nicht nur fürs Fernsehen: Jeder, der im Berufsleben steht und langfristig ­Erfolg haben möchte, muss mit der Zeit gehen.

Sie sind bereits seit Ende der 1980er-Jahre höchst erfolgreich als Moderatorin tätig. Moderiert man Shows heute anders als noch vor zehn oder zwanzig Jahren?

Arabella Kiesbauer: Das Tempo der Shows hat sich grundlegend verändert. Es ist alles schneller geworden, die Schlagzahl hat sich erhöht. Das ist eine Entwicklung, der man natürlich Rechnung tragen muss – und zwar im gesamten Konzept. Zudem hat man heutzutage nicht mehr eine Woche lang Zeit für Proben, vielmehr muss alles von Beginn an sehr schnell ­sitzen und alle Departments, wie zum Beispiel Licht, Ton, Kamera und Regie, müssen höchst professionell agieren und zusammenspielen.

Da ist es natürlich von Vorteil, wenn man bereits langjährige berufliche Erfahrung mitbringen kann. Als ich als Moderatorin begann, hatte man noch Zeit, in ein Format hineinzuwachsen. Man konnte viel ausprobieren, auch Fehler wurden einem leichter verziehen. Das ist heute ganz anders, die Spielwiese ist kleiner geworden. Weshalb es für den Nachwuchs mittlerweile schwierig geworden ist, ganz große Shows zu moderieren.

Zurück zu „Starmania 21“: Was dürfen wir uns erwarten und worauf freuen Sie sich persönlich am meisten? 

Arabella Kiesbauer: Ich freue mich am meisten auf das Zusammenspiel hinter den Kulissen. Und auf das Mäuschen-Sein, das Erleben der Kandidaten. Auf das Entdecken ihrer Stimmen und Persönlichkeiten. Und auf das Begleiten ihrer Entfaltung und Weiterentwicklung. Es ist beinahe ein kleines Wunder, dem man hier beiwohnen darf – ein Wunder, von dem man anfangs nicht weiß, wie es ausgehen wird! „Starmania“ ist ein Abenteuer, ein Weg, den die Kandidaten, die Zuseher und ich gemeinsam gehen. Kurz: Es wird spannend und sehr viel Spaß machen.

Blicken wir zurück: Besonders die erste Staffel war ein TV- und Popkulturphänomen, ganz Österreich hat „Starmania“ geschaut. Wie haben Sie diese Zeit damals erlebt? 

Arabella Kiesbauer: Wir wussten nicht, wie die Show ­ankommen würde. Der Megaerfolg hat uns selbst ein bisserl überrumpelt und überrollt. Nicht nur die Kandidaten mussten lernen, mit diesem Erfolg zurechtzukommen, sondern auch die Macher hinter den Kulissen. Ansonsten war es eine sehr arbeitsintensive Zeit für mich, denn ich habe ja damals auch noch in Deutschland und in der Schweiz ­gearbeitet. „Starmania“ war nur ein Teil meines damaligen Lebens. Meine Erinnerung an diese Zeit ist also vor allem, dass ich ununterbrochen unterwegs war und wirklich wahnsinnig viel gearbeitet habe.

Was waren während der gesamten vier Staffeln für Sie persönlich die bewegendsten Momente?

Arabella Kiesbauer: Als Erstes fällt mir ein sehr intimer Moment ein, der noch vor der Live­premiere stattgefunden hat, und zwar, als ich das allererste Mal während der ersten gemeinsamen Probe die Künstler auf der Bühne als Gruppe performen gesehen habe, auch im Zusammenspiel mit der Lichttechnik und so weiter. Als ich da still im Zuschauerbereich gesessen habe, dachte ich mir: „Wow, das wird echt fett!“

Da wurde uns das erste Mal bewusst, dass die Show ein Wahnsinn werden wird! Eine weitere schöne Erinnerung ist das Finale der ersten Staffel, als die Christl (Stürmer; Anm.) mit dem Song „Hot Stuff“ eine tolle Performance hinlegte und wir uns alle ­sicher waren, dass sie gewinnen würde. Danach aber kam der Michi (Tschuggnall; Anm.) mit seiner romantischen Eigenkomposition für seine Liebste, inklusive Klavier, das von der Decke herunterschwebte. Ein magischer Moment – und plötzlich waren wir uns nicht mehr sicher, wer den Sieg heimtragen wird.

Kultig ist auch Ihr Liveduett mit Michi Tschuggnall. Sie haben gemeinsam den Song „Fame“ gesungen … 

Arabella Kiesbauer: (Lacht) Es war für mich eine tolle, einmalige Erfahrung. Ich bin ja keine Sängerin und konnte danach viel besser nachvollziehen, was unsere Kandidaten eigentlich Woche für Woche leisteten. Ich war so wahnsinnig aufgeregt, was eigentlich untypisch für mich ist, denn bei meinen Moderationen bin ich sehr sicher, hier weiß ich: Dieses Metier beherrsche ich!

Kurz vor dem Auftritt habe ich Michi gebeichtet, dass ich den kompletten Text vergessen habe. Alles war weg! Michi meinte nur, der Text sei ja eh watscheneinfach, und hat mich mehr oder weniger auf die Bühne gestoßen, sonst wäre ich überhaupt nicht aufgetreten (lacht). Ich habe mir letztens den Auftritt wieder mal angesehen und man merkt ganz deutlich, wie erleichtert ich am Ende bin. Da ist mir wahrlich ein Stein vom Herzen gefallen.

Mit „Starmania 21“ werden auch wieder Stimmen laut werden, die kritisieren, dass Castingshows hoffnungsvolle junge Talente vor allem ausnützen würden, anstatt sie zu fördern. Christina Stürmer sprach damals sogar von einem „Knebelvertrag“ seitens des ORF. Was entgegnen Sie diesen Vorwürfen? 

Arabella Kiesbauer: Einige Künstler der heimischen Musikszene, wie eben Christina Stürmer, aber auch Nadine Beiler, Lukas Perman, Conchita und Eric Papilya, sind sowohl national als auch international erfolgreich und haben alle bei „Starmania“ angefangen. „Starmania“ kann also durchaus ein Karrieresprungbrett sein.

Man muss sich ­danach vielleicht freistrampeln, was aber nichts Negatives ist. Man sollte das Beste aus beiden Welten mitnehmen: aus der Castingshow den Start in die Öffentlichkeit sowie all das, was man während dieser Zeit gelernt hat – und danach ist wichtig, sich nicht darauf auszuruhen, sondern darauf aufzubauen und eben einen ganz eigenen Weg zu gehen, um eine langfristige Karriere zu ermöglichen.

Letzte Frage: Angenommen, Sie würden selbst an einem Gesangs-Casting teilnehmen. Welchen Song würden Sie dafür auswählen? 

Das ist eine rein hypothetische Frage, da ich ja leider keine tolle Sängerin bin! Wenn Sie mich zum Träumen bringen wollen, dann hätte ich gerne eine Stimme wie Whitney Houston und eine Bühnenpersönlichkeit wie Tina Turner. Ich würde wahnsinnig schwierige Songs singen, mit meiner Stimme beeindrucken und mit meiner Performance das Publikum verzücken. Das wär’s!

Mit meinem realen Gesangstalent kann ich jedoch höchstens „Alle meine Entchen“ trällern! (Lacht) Ich habe aber beim lieben Gott bereits angemeldet, dass ich im nächsten Leben gerne eine umwerfende Sängerin oder eine begnadete Tänzerin werden würde. Ich hoffe, dass er sich das irgendwo notiert hat.

Vielen Dank für das Gespräch!