Musiktheater Festivals
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unter neuer Leitung

Alfons Haider bringt frischen Wind ins Burgenland

Zuletzt war er der Steinbock in der Show „The Masked Singer“, große Moderationen wie der Opernball 2021 fallen aus: Nun hat Alfons Haider – Schauspieler, Sänger, Fernsehmoderator, Entertainer und ehemaliger Musical-Intendant in Stockerau – eine neue Aufgabe. Er ist Generalintendant für die Musiktheater-Festivals im Burgenland. 

Mit der Seebühne Mörbisch verbindet Alfons Haider seine ersten Bühnenerfahrungen. „Ich bin 1975 als 17-jähriger mit zu engen Stiefeln und zu großer Uniform vor zwölf Pferden, die hinter mir galoppiert sind, auf die Bühne gerannt und musste ins Orchester schreien: Sie kommen, sie kommen!“, erinnert sich der heute 63-Jährige.

„Damals hat mich Herbert Alsen gefragt, ob ich im folgenden Jahr eine kleine Rolle spielen würde, das habe ich abgelehnt und gesagt: ,Ich möchte zurückkommen, wenn ich schon in der ersten Reihe stehe.‘ Daraufhin hat er mir eine große Karriere prophezeit!“ Dass er ausgerechnet 45 Jahre später als Generalintendant zurückkehrt, ist für Alfons Haider kein Zufall, sondern Bestimmung. 

Strategische Weiterentwicklung der Musikfestivals 

„Ich bin ein treuer ­Mörbisch-Besucher und habe nachrecherchiert: Ich war sicher 30 Mal dort und habe 30 Produktionen gesehen in der Zeit, deswegen hat es mich so geflasht, als ich dort wieder auf der Bühne stand. Ich hätte das nie geglaubt!“ Auch künftig wird er das eine oder andere Mal auf der Bühne zu sehen sein, aber nur bei der Begrüßung und als Zweitbesetzung: „Für alle, die mich nicht sehen wollen, keine Angst, ich werde nicht in der ersten Reihe ­stehen. Für Eitelkeiten ist mir das Festival zu wichtig, aber als Zweit­besetzung bin ich selbstverständlich immer verfügbar, das kostet nix, bei den Proben bin ich sowieso dabei und wir haben eine Sicherheit.“

Seine Kontakte will er jedenfalls nutzen, um jedes Jahr einen großen Star – ein Zugpferd – nach Mörbisch zu bringen. „Es gibt so viele beliebte und bekannte Künstlerinnen und Künstler in Österreich und deshalb wird auch bei uns immer ein Publikumsliebling dabei sein. Das war auch das Geheimnis von Harald Serafin, weil die Leute wollen ja ihre Lieblinge sehen.“ 

Wunderbare Melodien und exotische Plätze

Für Alfons Haider ist die Seebühne sowieso ein besonderer Ort: „Nur dort kann es ein Mensch auf dieser 2.600-Qua­dratmeter-Bühne schaffen, dass 6.000 Herzen gleich schlagen und ruhig werden. Dieser Ort hat einfach eine Mystik. Mein Ziel ist, ein bisserl eine Verjüngungskur zu machen, ohne den Platz zu vergewaltigen und die Leute vor den Kopf zu stoßen.“ Was heißt das konkret für die Seefestspiele und jOPERA? Haupt­aufgabe wird sein, die bestehenden Formate Seefestspiele Mörbisch und jOPERA künstlerisch und strategisch weiterzuentwickeln. Wichtige Aspekte sind dabei: die Gewinnung neuer Publikumsschichten, die Verstärkung der Kommunikation mit dem Publikum, Medien und Sponsoren und der Ausbruch aus der ­Fixierung auf das Genre „Operette“.

„Peter Edelmann hat meinen Respekt, dass er den Mut hat, die ,West Side Story‘ zu spielen. Ein Musical in Mörbisch ist genau die Richtung, die ich einschlagen möchte. Ich werde Edelmann und natürlich jOPERA unterstützen und kräftig dafür Werbung machen. Operette ist heute für das jüngere Publikum nicht mehr spannend“, erklärt Alfons Haider und schwärmt von Musicals wie „La Cage aux Folles“, „The King and I“, „A Chorus Line“, „Tanz der Vampire“ oder „My Fair Lady“, Musicals mit einprägsamen Songs an exotischen Orten: „Wenn man das Wasser noch miteinbezieht, ist die Bühne unfassbar nutzbar.“

Gänsehautmomente und schöne Erinnerungen

„Eines meiner größten Erlebnisse war, Yul Brynner in ,The King and I‘ zu sehen. Acht Tage vor seinem Tod habe ich ihn in London kennengelernt, alle wussten, dass er todkrank war, und er hat furchtbar ausgesehen. Wir haben uns unterhalten und ich habe bedauert, dass mich nie im Leben jemand fragen wird, ob ich diese Rolle spielen werde. Er wollte dann wissen, was ich mache, damals habe ich mich auf Hamlet vorbereitet, und meinte: ,I’m 64 and I was never asked to play Hamlet.‘ Zum Abschied sagte er dann mit ­seiner Königsstimme: ,Your majesty, you are going to be a great king.‘ Da kriege ich heute noch Gänsehaut! 14 Jahre später saß seine Tochter in Stockerau in der ersten Reihe und ich habe ,The King and I‘ gespielt.“ 

Nachwuchsförderung und Pläne abseits der Bühne

Auch abseits der Bühne gibt es bereits konkrete Pläne: „Wir möchten einen großen Musikwettbewerb für die vielen Musikschüler machen. Ein Mädel und ein Bub sollen einen Vertrag für Mörbisch und jOPERA bekommen und als volle Mitglieder im Orchester spielen können.“ Künftig wird es auch darum gehen, die Synergien der Festivals zu kombinieren, die Zusammenarbeit zu stärken und alle miteinzubeziehen. Viele Gespräche, Evaluierungen und strategische Entscheidungen warten in den kommenden Monaten auf den neuen Generalintendanten. „Es geht alles, wenn man Träume und Visionen und professionelle Leute zur Unterstützung hat“, freut sich Alfons Haider auf die künftigen Heraus­forderungen.